swissPersona
106. Delegiertenversammlung von swissPersona

«Sicherheit rückt wieder mehr ins Zentrum»

Die 106. Delegiertenversammlung von swissPersona fand in schöner Atmosphäre auf dem Waffenplatz Monteceneri statt. Als Gastredner betonte der Tessiner Regierungsrat Norman Gobbi die Wichtigkeit der Armee als Arbeitgeberin im Kanton Tessin. Aus den verschiedenen Vorträgen war deutlich zu spüren, dass der Sicherheit und der Armee wieder mehr Bedeutung zukommt.

Beat Wenzinger
Redaktor swissPersona

Nach einer herzlichen Begrüssung der Delegierten, Ehrenmitglieder und Gäste verlor Zentralpräsident Markus Meyer einige Worte zum «Corpo Volontari Luganesi», welches der Versammlung einen festlichen Rahmen verlieh. Die Truppe stehe für eine unabhängige Schweiz – das Blau und Weiss ihrer Uniform sind die Farben Zürichs, denn «Zürcher haben die Truppe damals ausgerüstet».

Bedeutung der Armee wächst wieder

Der Zentralpräsident führte weiter aus, dass mit dem bereits vier Jahre dauernden Krieg in der Ukraine und der Eskalation im Nahen Osten wir in unsicheren Zeiten leben, zumal auf die USA keinen Verlass mehr ist. «Diese Konflikte», so Meyer, «betreffen uns indirekt und auch direkt, Sicherheit rückt wieder mehr ins Zentrum». Es stellen sich Fragen «Wie gut sind wir vorbereit?», «Welche Mittel stehen der Armee zur Verfügung?», «Wie können Drohnenangriffe und Cyberattacken abgewehrt werden?». «Ich glaube nicht genügend», lautete Meyers Antwort. Meyer betonte, dass die Bedeutung der Armee wieder wachse und damit auch die Bedeutung von motivierten und gut ausgebildeten Mitarbeitenden.

Gesunder Verband

Dem Verband stellte Meyer ein gutes Zeugnis aus: personell gut aufgestellt (alle Chargen sind besetzt); organisatorisch stabil und finanziell gesund». Dies sei der engagierten Arbeit vieler Menschen in der Geschäftsleitung, im Zentralvorstand und in den Sektionen zu verdanken. «Doch wir können uns nicht zurücklehnen!», mahnte der Zentralpräsident. Er versprach, die Herausforderungen weiter aktiv anzugehen und wichtige Themen aufzugreifen.

Gedenken an Giancarlo Brentini

Im vergangenen Verbandsjahr ist das langjährige Ehrenmitglied Giancarlo Brentini verstorben. Die Versammlung erhob sich kurz, um ihm zu gedenken.

Grusswort von Daniel Stoll

Der Kommandant des Waffenplatzes Monteceneri, Oberst i Gst Daniel Stoll, hob in seinen Begrüssungsworten die besonderen Herausforderungen des Tessins im Bereich Sicherheit hervor und dass der Bund mit diversen Bundesämtern sehr gut im Tessin vertreten sei. Er unterstrich, dass der Waffenplatz und das Tessin auch weiterhin einen grossen Nutzen für die Sicherheit der Schweiz generieren werde. Zum Abschluss bedankte er sich bei swissPersona für das Engagement zugunsten des Bundespersonals.

Positiver Rechnungsabschluss

Zentralkassier Roland Murer präsentierte eine erfreuliche Jahresrechnung 2025, welche einen Gewinn von 60’198 Franken ausweist, rund 20’811 Franken sind auf Buchgewinne zurückzuführen. Das Budget 2026 sieht einen Gewinn von 420 Franken vor – wie üblich hat Murer sehr «zurückhaltend» budgetiert, wie er selber erklärte. Die Jahresrechnung und das Budget 2026 wurden von den Delegierten einstimmig genehmigt.

Veränderungen beim Personal

Im Bereich Personal war im vergangenen Jahr, wie Zentralsekretär Etienne Bernard in seinem Vortrag ausführte, viel Bewegung auszumachen. Besonders gefordert war swissPersona mit dem Entlastungspaket 27, welches diverse Sparmassnahmen beim Personal vorsieht, wie wir in unserer Verbandszeitung berichtet haben. Unter Dach und Fach gebracht wurde das neue Lohn- und Beurteilungssystem, welches als grösste Veränderung höhere Einstellungslöhne und eine flachere Lohnentwicklung mit sich bringt. Auf Bundesebene laufen diverse Pilotprojekte zur Strukturanpassung. Einzelfälle mit Problemen am Arbeitsplatz haben gemäss Bernard zugenommen. Zudem war der Verband mit vielen Stellungnahmen gefordert.

Wer ist Verhandlungspartner?

Die jährlichen Lohnverhandlungen finden jeweils zwischen den Personalverbänden und dem Bundesrat statt. Das letzte Wort hat aber, wie der Zentralsekretär hervorstrich, das Parlament. Dieses hatte im vergangenen Jahr Abstriche gegenüber dem Verhandlungsergebnis beschlossen, was Bernard zur Frage brachte, wer Verhandlungspartner bei den Lohnverhandlungen sei?

Geschäfte auf Bundesebene

Auf Ebene des Bundes und Parlaments stehen auch in diesem Jahr wichtige Geschäft an, wie der Zentralsekretär erklärte. Dies sind unter anderem die Erhöhung der Mittel für die Armee, Änderungen im Kriegsmaterialgesetz, das Projekt RIGI der Ruag und als «Dauerbrenner» die Finanzlage des Bundes. Speziell erwähnte Bernard die «parlamentarischen Vorstösse gegen das Personal», in welchen immer wieder zu hohe Personalkosten angeprangert werden. Dem enthält Etienne Bernard entgegen, dass der Anteil der Personalkosten am Gesamtbudget von einst 8,4% auf heute 7% gesunken sei und dies in der ganzen EU der niedrigste Wert sei.

«Sicherheitspolitisch im Tiefschlaf»

Der Zentralsekretär Etienne Bernard zeigte eine Folie mit eingefärbten Staaten, welche sich in kriegerischen Konflikten befinden – mit bedrohlich wenig weissen Flecken. Die Schweiz bezeichnete er als «sicherheitspolitisch im Tiefschlaf». Weiter erläuterte er, dass viele Länder aufrüsten und das bestellte Material rasch geliefert werden soll, was zwangsläufig zu Engpässen führe: «Der Materialverbrauch von modernen Kriegen ist enorm, ohne eigene Rüstungsindustrie ist man von anderen abhängig und die «Durchhaltefähigkeit» im Konfliktfall hängt von der eigenen Rüstungsindustrie ab». Der Zentralsekretär pocht deshalb auf eine einheimische Rüstungsindustrie und einer Lockerung des Kriegsmaterialgesetzes.

Grusswort Adrian Wüthrich

Adrian Wüthrich, Präsident von Travail Suisse, ist, wie er in seinem Grusswort verriet, gerne hierher zum Waffenplatz Monteceneri gekommen, da er hier bereits Zeit als Rekrut verbracht hatte. Wüthrich ermunterte die Delegierten und swissPersona-Mitglieder das Kursangebot von ARC zu nutzen und bei Bedarf, Ideen und Anregungen für neue Kurse einzureichen. Weiter ging Wüthrich auf das gemeinsame Thema «Entlastungspaket 27» von swissPersona und Travail Suisse ein – und dass Travail Suisse einen Vorschlag zur Finanzierung eingebracht hatte. Als wichtiges Datum erwähnte er den 14. Juni 2026, an welchem über die Volksinitiative «Keine 10 Millionen Schweiz» abgestimmt wird. Mit einem Ja sieht der Travail Suisse Präsident die Sicherheit der Schweiz gefährdet – und er befürchtet weitere Sparpakete beim Bund, wenn «die Wirtschaft nicht mehr wachsen kann».

Verändertes Sorgenbarometer

In seinem Gastreferat sprach der Tessiner Regierungsrat Norman Gobbi die allgemeine Sicherheitslage an, welche sich in den letzten Jahren stark verändert hat, wie auch die WEF-Umfrage zur Wahrnehmung der globalen Risiken deutlich aufzeigt: So stehen deutlich zuoberst auf dem Sorgenbarometer die geoökonomischen Konflikte (18%) sowie die staatlich geführten, bewaffneten Konflikte (14%), gefolgt von extremen Wetterereignissen (8%), gesellschaftlicher Polarisierung (7%) und Desinformationen (7%).

Eigenheiten des Tessins

Anschliessend kam der Regierungsrat auf die Eigenheiten und besonderen Herausforderungen des Tessins zu sprechen: «Das Tessin ist der einzige Kanton südlich der Alpen und er gehört keinem der vier interkantonalen Polizeikonkordaten an» – damit ist das Tessin (wie auch der Kanton Zürich) eine eigenständige Polizeiregion. Die täglich 80’000 Grenzgängerinnen und Grenzgänger machen rund einen Drittel aller Arbeitnehmenden im Kanton aus. Eine grosse Herausforderung ist, dass ein grosser Teil der schweizweiten, illegalen Immigration im Tessin geschieht. Auch hinsichtlich Gesundheit herrscht im Südkanton mit den schweizweit höchsten Krankenkassenprämien eine besondere Lage – und das Corona-Virus breitete sich zuerst im Kanton Tessin aus. «Die damaligen Warnrufe aus dem Tessin», so Gobbi, «blieben im Rest der Schweiz ungehört». Auch aus der Tierwelt drohen diverse Gefahren, wie die Migration von verschiedenen, schädlichen Käfern, Mücken und auch der Quagga-Muschel. Aufgrund seiner geografischen Lage trägt das Tessin zudem schweizweit das höchste Risiko für eine Einschleppung der Afrikanischen Schweinepest. Trotz aller Herausforderungen und Gefahren beruhigte der Regierungsrat: «Das Tessin verfügt über gute Zivilschutzorganisationen, um den diversen Gefahren zu begegnen».

Armee ist wichtig fürs Tessin

Regierungsrat Gobbi verkündete weiter, dass die Armee für die Sicherheitslage der Schweiz eine wichtige Rolle spiele. So ist die Armee an verschiedenen Orten im Kanton präsent und vier Bataillone haben ihre Basis hier: Artillerie (Gr art 49), Gebirgsinfanterie (Bat fant Mont 30), Rettung (Bat salv 3) sowie Logistik (Log Bat 92). «Damit ist die Armee», so Gobbi, «mit 427 Mitarbeitenden des VBS (227 Berufssoldaten und 200 zivile Mitarbeitende) eine wichtige Arbeitgeberin im Tessin.

Geselligkeit und feines Essen

Als nächster Programmpunkt standen ein Apéro sowie ein feines Essen in der neu renovierten Mehrzweckhalle auf dem Programm. Es wurde über Aktuelles und Vergangenes diskutiert, die feinen Köstlichkeiten genossen und wer wollte, konnte zum Abschluss das nahe Radiomuseum von Monteceneri besuchen. Gegen 15 Uhr traten die Delegierten, Gäste und die vier Ehrenmitglieder Max Handschin, Francesco Lucchini, Fredy Ramseier und Hans-Rudolf Trüb den Heimweg mit schönen Erinnerungen im «Gepäck» an – und das Organisationskomitee der organisierenden Sektion Ticino, bestehend aus Giada Rao, Lorenzo Antonini, Paolo Agostoni und Gianluca Della Mano, darf auf eine gelungene Delegiertenversammlung 2026 zurückblicken. ■ (Bild: Regierungsrat Norman Gobb.) (Bild: Beat Wenzinger)