Ein Blick hinter die Kulissen der RUAG Emmen
Einmal jährlich sind die swissPersona-Ehrenmitglieder sowie die Übersetzer zu einer erweiterten Zentralvorstandssitzung mit anschliessendem Mittagessen und einem interessanten Rundgang eingeladen. Nach Informationen zu den Geschäften des Verbandes hielt Laurent Breguet ein berührendes Referat zum Thema «psychische Gesundheit». Beim gemeinsamen Mittagessen wurde die Kameradschaft gepflegt und am Nachmittag begab sich die Gruppe auf einen eindrücklichen Rundgang bei der RUAG Emmen.
Beat Wenzinger
Redaktor swissPersona
Nach der Begrüssung der beiden Ehrenmitglieder Markus Zurbuchen und Roland Meier, den beiden Übersetzern Carlo Spinelli und Jean Pythoud sowie des Gastredners Laurent Breguet hob Zentralpräsident Markus Meyer die enge Verbindung von Emmen mit der Schweizer Armee und der damit verbundenen Sicherheit des Landes hervor. Die RUAG unterhält als Technologiepartner der Schweizer Armee Flugzeuge und Helikopter über den gesamten Lebenszyklus und hat sich als Kompetenzzentrum für Aviation etabliert.
Starker Personalverband ist nötig
«Eine funktionierende Armee», führte Meyer weiter aus, «benötigt nicht nur Flugzeuge und weiteres Material, sondern vor allem auch Menschen, die bereit sind Verantwortung zu übernehmen und ihr Fachwissen einzubringen». Zu diesen Menschen müsse Sorge getragen werden und dafür brauche es starke Personalverbände wie swissPersona.
Ehrenmitglieder haben den Verband geprägt
Weiter führte der Zentralpräsident aus, dass die swissPersona-Ehrenmitglieder den Verband über viele Jahre mit ihrem Engagement und Verbundenheit geprägt haben, weshalb sie jeweils zur Delegiertenversammlung und diesem heutigen Anlass eingeladen werden.
Zunahme der Einzelfälle
Zentralsekretär Etienne Bernard informierte über den aktuellen Stand diverser Geschäfte. Im laufenden Jahr zum Beispiel haben die Einzelfälle – also die Anzahl Menschen, welche am Arbeitsplatz mit Problemen konfrontiert sind –, stark zugenommen. Eine der Kernaufgaben von swissPersona ist es, diese Menschen zu unterstützen und bei Bedarf und auf Wunsch der betroffenen Person, das Gespräch mit dem Arbeitgeber zu suchen.
Erhöhung der Lohnmassnahmen
Weiter berichtete der Zentralsekretär, dass aufgrund des fürs Jahr 2026 beim Bund budgetierten Verlusts von 600 Millionen Franken, die Verbände bei den Lohnverhandlungen 0,5 Prozent für den Teuerungsausgleich vorsahen. Da sich nun 1,8 Milliarden Franken höhere Einnahmen beim Bund abzeichnen, fordern die Verbände neu Lohnmassnahmen von 1 Prozent. Der definitive Entscheid wird im Parlament gefällt.
Aufbau eines Drohnenbataillons
In einem weiteren Punkt kam Etienne Bernard auf die veränderte Sicherheitslage sowie die neue Art der Kriegsführung zu sprechen. Die Schweizer Armee reagiert darauf, unter anderem mit dem Aufbau eines Drohnenbataillons per 2028.
Dankbarer Zentralvizepräsident
Zentralvizepräsident Beat Grossrieder bedankte sich bei Etienne Bernard für seine hervorragende Arbeit, so haben, wie bereits gehört, die Einzelfälle stark zugenommen und die einzelnen Dossiers werden immer komplexer. Grossrieder hob hervor, dass swissPersona sehr angesehen ist und auf offene Türen trifft. Einen herzlichen Dank richtete er auch an Zentralpräsident Markus Meyer, welcher bei «schwierigen Fällen» und Rechtsfragen angefragt werden kann. Schlussendlich bedankte sich Grossrieder noch beim ganzen Team: «Alle machen mit. Es macht Spass mit so einem Team zu arbeiten».
Psychische Krankheiten bleiben lange im Verborgenen
Vor dem gemeinsamen Mittagessen hielt Laurent Breguet ein eindrückliches Referat über psychische Krankheit. Dabei erzählte er seine persönliche Geschichte und liess tief in seine Abgründe blicken, welche ihn beinahe das Leben gekostet haben. «Die Auswirkungen von psychischer Krankheit sieht man im Beruf nicht so gut», wie Breguet aus eigener Erfahrung weiss: «Schlechter Schlaf, Gewichtsabnahme und Depression bleiben vor den Berufskameradinnen und -kameraden lange unentdeckt». Die grosse Herausforderung bei einer psychischen Erkrankung ist, dass man alleine gelassen wird – auch von Spitälern, Behörden und weiteren. Er habe auch Freunde verloren, aber auch neue gefunden.
Grosser Handlungsbedarf in den Betrieben
Dank seiner sehr schmerzlichen Eigenerfahrung wurde ihm bewusst, dass in Sachen psychischer Gesundheit ein grosser Handlungsbedarf besteht: «Im beruflichen Umfeld fehlt es an Sensibilisierung, Ausbildung und Wissen über psychische Gesundheit». Nachdem Breguet wieder gesund war, war es ihm ein Bedürfnis, das Thema physische Gesundheit im Betrieb bekannt zu machen. Als Mitarbeiter der Verteidigung hatte er die Einführung von erster Hilfe für psychische Gesundheit bei der Luftwaffe initiiert – siehe Interview «Ersthelfer für psychische Gesundheit» in der Aprilausgabe dieser Zeitung, Seiten 1 und 4.
Offen darüber reden
Zentralvizepräsident Beat Grossrieder bedankte sich bei Laurent Breguet für die offenen Worte und sein Engagement, das Thema in der Berufswelt zu etablieren. Weiter meinte er: «Jeder von uns hat mal eine Krise, aber niemand hat den Mut darüber zu reden – und das ist das Problem. Eine psychische Erkrankung muss, wie jede andere Krankheit, behandelt werden!»
Stärkung für den Nachmittag
Nach den vielen Informationen konnten sich die Teilnehmenden beim gemeinsamen Mittagessen im Restaurant Sternen in Emmen fürs Nachmittagsprogramm stärken. Dabei wurde viel diskutiert und die Kameradschaft gepflegt. So verstrich die Zeit in Windeseile und es war an der Zeit, den kurzen Weg zum RUAG-Betriebsgelände unter die Räder zu nehmen.
Eindrücklicher Betriebsrundgang
An der Eingangspforte wurden wir von André Wiltschek, swissPersona-Geschäftsleitungsmitglied und Mitarbeiter der RUAG Emmen, empfangen. Für ihn war es ein Heimspiel, für die Gäste wurde schnell klar, dass es sich hier nicht um eine gewöhnliche Firma handelt – alle Teilnehmenden erhielten nach dem Vorweisen eines Ausweises (ID oder Pass) einen Zutrittsbadge und fotografieren war auf dem ganzen Gelände verboten.
Als Erstes stellte André Wiltschek in einem gekühlten Konferenzzimmer die RUAG Emmen vor, während draussen die Spätsommersonne nochmals richtig einheizte. Der RUAG-Standort in Emmen ist ein zentrales Kompetenzzentrum für Wartung, Reparatur und Überholung von militärischen Flugzeugen und Helikoptern sowie für die aerodynamische Forschung. »Alles begann», erklärte Wiltschek, «mit der ersten Landung eines militärischen Flugzeugs am 7. Juli 1939», daraus entstand dann der Flugplatz Emmen und es folgte die stetige Weiterentwicklung zum heutigen modernen Industriestandort. «Der Standort Emmen ist ein wichtiger Grundpfeiler für die souveräne Sicherheit der Schweiz», führte Wiltschek weiter aus – und dabei ist die RUAG Emmen nicht nur eine <Garage> für Flugzeuge und Helikopter, sondern ein wichtiger Technologiepartner der Schweizer Armee».
Nach den interessanten Ausführungen zur Geschichte dieses Standortes begaben sich die Teilnehmenden, aufgeteilt in zwei Gruppen, auf den Rundgang. Dabei glänzte Wiltschek mit viel Fachwissen und vielen interessanten Details, welche in keiner Hochglanz-Broschüre nachzulesen sind. So verging auch der lebhaft und mit viel Herzblut vorgetragene Rundgang viel zu schnell und die Gruppe traf sich ausserhalb des Firmengeländes zu einem gemeinsamen Gruppenbild. Danach begaben sich die Teilnehmenden in alle Richtungen auf ihren Heimweg, mit im Gepäck schöne Erinnerungen an einen erlebnisreichen Tag. ■ (Bild: Gruppenbild am Eingangstor zur RUAG in Emmen)
