Laurent Breguet – Ersthelfer für psychische Gesundheit
Etienne Bernard
Zentralsekretär swissPersona
Übersetzung Thomas Sutter
Die Statistiken zur psychischen Gesundheit sind besorgniserregend: Jeder Zweite leidet mindestens einmal im Leben unter psychischen Problemen. Neun von zehn Menschen kennen jemanden, der von psychischen Problemen betroffen ist, und möchten ihm helfen. Aber wie? Laurent Breguet, Mitarbeiter der Verteidigung, hat die Einführung von erster Hilfe für psychische Gesundheit bei der Luftwaffe initiiert. Ich habe ihn zu seinem Projekt interviewt.
Etienne Bernard: Laurent, warum interessierst du dich für die psychische Gesundheit?
Laurent Breguet: Nach einer Depression im Jahr 2021, die fast zu tragischen Handlungen führte, wurde mir klar, dass es an Sensibilisierung, Ausbildung und Wissen über psychologische Themen im beruflichen Umfeld mangelt. Die psychischen Faktoren werden unterschätzt und sind wenig bekannt. Nach einem traumatischen Ereignis ist es oft notwendig, ein Ziel zu haben und sich zu engagieren: Ein neues Lebensziel, um einen positiven Neuanfang zu ermöglichen. Ich hatte das Bedürfnis, meine Erfahrungen weiterzugeben und zu teilen, um die Arbeitswelt zu sensibilisieren, damit dies niemand anderem passiert, und um dem, was ich durchgemacht habe, einen Sinn zu geben.
Wie sah dein Weg aus? Was hast du unternommen?
Nach einer sechsmonatigen, vollständigen Abwesenheit von der Arbeit und einer ebenfalls über sechs Monate gestaffelten sowie teilweisen Wiederaufnahme meiner Tätigkeit, verspürte ich das Bedürfnis zu verstehen, was mir widerfahren war. Ich habe mich auf vielfältige Weise und zu verschiedenen Aspekten der Psychologie weitergebildet: Stress, Traumata, therapeutische Instrumente, Notfallpsychologie und Begleitung. Dann habe ich meine Erfahrungen in Vorträgen und Sensibilisierungsveranstaltungen weitergegeben. Daraus ist mein Projekt entstanden.
Erzähl uns von deinem Projekt, was ist dessen Ziel?
Es umfasst zwei Aspekte. Zum einen gibt es einen anonymen Teil, nämlich die Kontaktaufnahme über die «Peer-Gruppe», die im Intranet des VBS zu finden ist. Dort kann man eine Person treffen, die ebenfalls ein psychisch traumatisierendes Ereignis erlebt hatte, um darüber zu sprechen und mögliche Hilfsangebote zu besprechen. Der andere Teil ist intern: Es handelt sich um Ersthelfer für psychische Gesundheit (die Bezeichnung könnte sich noch ändern) am Arbeitsort, also Personen, die für den ersten Kontakt geschult sind und vom Vorgesetzten, einem Kollegen oder der betroffenen Person selbst hinzugezogen werden können. Beispielsweise eine Liste von Personen vor Ort aus verschiedenen Einheiten, in Payerne zum Beispiel zehn Mitarbeitende aus sechs verschiedenen Einheiten, die ausschliesslich über das Festnetz kontaktiert werden können.
Wie wurde das Projekt aufgenommen?
Die «Peer-Group» wurde vom Armeestab, Bereich Gesundheitsmanagement, Ende 2023 online gestellt, also ziemlich schnell. Der «Erste-Hilfe-Teil» hat mehr Zeit in Anspruch genommen, aber ich wurde am Standort Payerne, von meiner Organisationseinheit und der des Luftwaffenstützpunkts sehr unterstützt. Ebenso durch die Motivation mehrerer Mitarbeitenden, die sich spontan gemeldet haben, um diese Ausbildung zu absolvieren und Ersthelfer für psychische Gesundheit zu werden. Diese Gruppe, die auch unter dem Akronym «ROGER’S» bekannt ist (wobei jeder Buchstabe für einen Interventionsgrundsatz steht), besteht nun seit über einem Jahr und wird bis Anfang 2027 in der gesamten Luftwaffe aufgebaut. Ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um dem Kommandanten der Luftwaffe für seine Unterstützung und sein Engagement zu danken.
Auf welche Schwierigkeiten bist du gestossen?
Das Thema macht Angst, es weckt unsere eigenen Ängste. Wie bei jeder neuen Idee geht es auch hier darum, zu akzeptieren, dass sie etwas bewirken kann und dass jeder davon betroffen sein kann. Ich muss sagen, dass meine eigenen Erfahrungen mir Türen geöffnet haben und ich starke Unterstützung gefunden habe. Ich danke allen, die dazu beigetragen haben, dieses Projekt zu verwirklichen. Eine der Herausforderungen für die Ersthelfer für psychische Gesundheit bestand darin, zu wissen, welchem Bereich sie zugeordnet werden sollten. Eine Lösung drängte sich schnell auf: dem Bereich Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz. Es handelt sich somit um eine ergänzende Hilfe zur Unterstützung durch die Vorgesetzten und die Personalabteilung, falls der Mitarbeitende diese Angebote nicht in Anspruch nehmen möchte.
Ein Pilotprojekt für psychologische Notfälle läuft derzeit bei Fedpol, dem BAZG, dem EDA, der Sozialberatung des Bundespersonals und dem Psychologisch-Pädagogischer Dienst der Armee (PPD A). Welche Auswirkungen hat das auf dein Projekt?
All diese Ressourcen sind nützlich, ohne dass es dabei zu Überschneidungen kommt. Sie haben unterschiedliche, sich ergänzende Wirkungsbereiche. Das zuerst genannte Pilotprojekt ist das eines Care-Teams für Krisensituationen und Fällen von grossem Ausmass. Die Sozialberatung ist eine wirksame Anlaufstelle für Mitarbeitende, doch dies setzt voraus, dass die Situation schwerwiegend oder kompliziert ist und möglicherweise bereits Gegenstand eines Case Managements oder einer intensiven Betreuung ist; andernfalls wissen die Mitarbeitenden nicht, wie sie Kontakt aufnehmen sollen oder getrauen sich nicht, dies zu tun. Der PPD A ist derzeit auf die Milizarmee ausgerichtet.
Was ist der Aufgabenbereich eines Ersthelfers für psychische Gesundheit?
Sie sind eine Hilfe am Arbeitsplatz. Wie Betriebssanitäter werden sie vor dem Eingreifen eines Fachmanns tätig. Der Ersthelfer für psychische Gesundheit wird zu einem Gespräch hinzugezogen, bei dem Zuhören, Beratung und Empathie im Mittelpunkt stehen. Er ist kein Fachmann, kennt aber die Warnsignale für psychische Probleme. Bei Bedarf leitet er den Mitarbeitenden an einen Gesundheitsspezialisten weiter. Die Ratsuchenden werden ein- oder zweimal empfangen und können bei Bedarf wieder kommen. Der psychische Ersthelfer kann auch die Rückkehr nach einer längeren Abwesenheit begleiten.
Wie sieht es mit den Voraussetzungen und der Ausbildung zum Ersthelfer für psychische Gesundheit aus?
Die Voraussetzungen sind, ein Mensch im edelsten Sinne des Wortes zu sein: Wohlwollen, Mitgefühl, Respekt, Würde und Zuhören versinnbildlichen das. Vertraulichkeit ist von grösster Bedeutung, es sei denn, die betroffene Person wünscht etwas anderes. Die einzige derzeit angebotene Schulung ist ein zweitägiger, externer Kurs. Ich bin zuversichtlich, dass bald eine interne Lösung für das VBS gefunden wird, erste Kontakte wurden bereits geknüpft. Es ist wichtig zu verstehen, dass die Möglichkeit, ohne Scham oder Stigmatisierung zu sprechen, ein entscheidender Faktor ist. Sich frühzeitig von Sorgen zu befreien, verhindert, dass man das Stadium schwerwiegenderer Probleme erreicht, seien sie privater oder beruflicher Natur – beide Bereiche beeinflussen sich gegenseitig. Es ist immer richtig, sich zu getrauen darüber zu sprechen!
Hast du eine besondere Botschaft an unsere Leserinnen und Leser?
Das System der Ersthelfer für psychische Gesundheit lässt sich schnell und kostengünstig einrichten: Es hat im Jahr 2025 in Payerne 25 Mitarbeitenden zur Zufriedenheit aller geholfen. Vielen Dank an alle, die sich für andere engagieren und engagieren werden, an meine Vorgesetzten und an die Dienststellen, die mit mir zusammenarbeiten, wer auch immer sie sein mögen.
Vielen Dank Laurent für deine Einblicke in das Thema psychische Gesundheit und viel Erfolg weiterhin bei der Entwicklung deines Projekts. ■ (Bild: Laurent Breguet: Psychische Faktoren werden unterschätzt und sind wenig bekannt.) (Foto: zVg)
