Eine über hundertjährige Erfolgsgeschichte
Die Militärversicherung feiert dieses Jahr ihr 125-Jahre-Jubiläum und ist damit die älteste Sozialversicherung der Schweiz. Grund genug, diese wichtige Institution und ihre interessante Geschichte zu beleuchten.
Martin Rüfenacht
Abteilungsleiter Militärversicherung
Die Notwendigkeit, Soldaten nach Krankheit oder Unfall im Dienst zu unterstützen, wurde schon früh erkannt. Im Jahr 1901 legte das Bundesgesetz über die Kranken- und Unfallversicherung der Armeeangehörigen den Grundstein für die Militärversicherung. Als älteste Sozialversicherung der Schweiz nimmt sie bis heute eine Sonderstellung ein: Der Bund haftet für dienstbedingte Krankheiten und Unfälle – ohne Franchise und Selbstbehalt für die Versicherten.
Schwieriger Start
Dieser Geist findet sich bereits in der Entstehungsgeschichte der Militärversicherung. Als die sogenannte «Lex Forrer» anfangs des letzten Jahrhunderts in einer denkwürdigen Volksabstimmung Schiffbruch erlitt, raufte sich das Parlament in der Folge zusammen, rettete wenigstens die Militärversicherungsteile und fasste sie in einem Erlass zusammen. So ging aus dem gescheiterten Gesundheitsgesetz die Militärversicherung hervor und hat – wenn auch in revidierter Form – bis heute Bestand.
Wechselvolle Geschichte
Die Geschichte der Militärversicherung war immer eng verknüpft mit den politischen und sozialen Begebenheiten der Eidgenossenschaft. Stiegen die Bundesausgaben zu Gunsten der Militärversicherung während den zwei Weltkriegen auf gegen 6% des gesamten Staatshaushalts, fuhr die Militärversicherung in den letzten Jahren in ruhigeren Gewässern. Mit der Auflösung des Bundesamts für Militärversicherung und der Überführung in die Suva 2005 erlebte die Militärversicherung vor gut zwanzig Jahren die bisher letzte grössere Anpassung.
Auch bei den versicherten Personengruppen kam es über die Jahre zu Veränderungen. So kamen neben den Armeeangehörigen unter anderem folgende Gruppen hinzu:
- 1967: Zivilschutzangehörende
- 1972–1993: Teilnehmende des Sportförderprogramms «Jugend & Sport»
- 1994: Teilnehmende an friedensfördernden Einsätzen im Ausland sowie Angehörige des Schweizerischen Korps für humanitäre Hilfe
- 1996: Zivildienstleistende
Leider war die Militärversicherung nicht vor Krisen gefeit. Neben der Spanischen Grippe waren insbesondere die als «Ölsoldaten» bekannt gewordenen Vergiftungsfälle in einer Mitrailleur-Kompanie 1940 sowie das Jungfrau- und Kanderdrama besonders tragische Geschehnisse.
Steigende Fallzahl, steigende Kosten
Die Militärversicherung verzeichnet in den letzten Jahren einen massiven Anstieg an Fällen. Jährlich kommen 50’000 neue Fälle hinzu, die durch eine gleichbleibend grosse Belegschaft verarbeitet werden. Der mit Abstand grösste Teil entfällt dabei auf Krankheitsfälle, während Unfälle lediglich etwa 20% ausmachen. Die Militärversicherung ist somit eher eine Kranken- als eine Unfallversicherung. Den grössten Anteil an Erkrankungen und Verletzungen verzeichnen die Angehörigen der Armee, gefolgt von den Zivildienstleistenden. Dies ist jedoch nicht auf ein höheres Risiko zurückzuführen, sondern vornehmlich auf die unterschiedlich grosse Anzahl geleisteter Diensttage in den beiden Kategorien. Jährlich entstehen der Militärversicherung Kosten von rund 190 Millionen Franken, wovon rund 80 Millionen Franken für Heilkosten aufgewendet werden. Die Ausgaben werden direkt durch den Bund gedeckt. Ein geringfügiger Teil der Einnahmen (rund 26 Millionen Franken) wird durch Prämien und Regresseinnahmen generiert. Prämienzahlende sind Berufsmilitärs und pensionierte Berufsmilitärs, welche sich freiwillig bei der Militärversicherung weiterversichern lassen können. Der steigende Kostendruck im Bundesbudget und die steigenden Heilkosten veranlassen die Militärversicherung vermehrt in Digitalisierung und Automatisierung zu investieren. Durch diese Services und Prozessverbesserungen werden die Dienstleistungen zu Gunsten der Versicherten laufend verbessert.
Schutz im Dienst – Auftrag bleibt wichtig
«Sorget für mein Weib und meine Kinder …», wie einst Arnold Winkelried bei der Schlacht von Sempach gerufen haben soll – und ihn vermutlich zum ersten Fürsprecher einer schweizerischen Militärversicherung gemacht hatte, bleibt der Auftrag weiterhin wichtig: Wer für die Schweiz im Dienst steht, soll versichert sein und sich auch keine Sorgen um das Wohlergehen der Angehörigen und Hinterbliebenen machen müssen.
So setzen sich gut 100 Mitarbeitende täglich für das Wohl der militärversicherten Personen im In- und Ausland ein – getragen von der Motivation, einer sinnstiftenden Arbeit nachzugehen, Leid zu verhindern oder im Schadenfall zu mindern. Dies ist insbesondere in Zeiten einer unsicher werdenden Weltlage zunehmend wertvoll und zeigt den fortwährenden Willen der offiziellen Schweiz, die seit 125 Jahren wichtige Institution der Militärversicherung zu erhalten, und damit einen wesentlichen Beitrag zum Wohlergehen der Dienstleistenden zu leisten. ■ (Bild: Die Feier zum 125-Jahr-Jubiläum der Militärversicherung fand im Berner Rathaus statt, von links: Beat Grossrieder (Zentralvizepräsident swissPersona), Etienne Bernard (Zentralsekretär swissPersona), Stefan A. Dettwiler (2008–2022 Direktor der Militärversicherung), Hans Beck (ehemalier Mitarbeiter Militärversicherung), Martin Rüfenacht (Abteilungsleiter Militärversicherung), Christian Grossi (Rechtsanwalt der Militärversicherung). (Bild: zVg)
