Lernende aus 13 Berufsgruppen bauen gemeinsam ein Kleinflugzeug
Bei RUAG läuft im Moment ein Projekt zur Förderung der interdisziplinären Zusammenarbeit. Eine Gruppe unter der Leitung von Harald Riner hat in der Startphase ein Projekt vorbereitet, wo es um den Bau eines Kleinflugzeuges geht.
André Wiltschek
Vertreter RUAG swissPersona
Mit der Idee, dass unsere Lernenden dieses Flugzeug bauen, hat die Projektleitung einen Antrag an die Geschäftsleitung gestellt. Diese war hell begeistert und hat diesem Antrag zugestimmt. Die Bestimmungen zu diesem Projekt wurden festgelegt und die Leitplanken aufgestellt, um das ganze ins Rollen zu bringen. So war sicher eine Bedingung, dass möglichst alle Gruppierungen der Berufsgruppen, die bei RUAG angeboten werden, an diesem Projekt zu beteiligen sind.
Der Startschuss für das Ausbildungsprojekt «Young Spirit» ist gefallen: Rund 70 Lernende aus 13 Berufsgruppen werden schweizweit gemeinsam am Bau eines zweisitzigen Kleinflugzeugs vom Typ RV-7A arbeiten. Das Flugzeug von VAN’S AIRCRAFT ist ein einmotoriges Experimental-Luftfahrzeug (Details siehe Kasten).
Unboxing-Event zum Projektstart
Zum Auftakt lud die Projektleitung die Berufsverantwortlichen sowie die beteiligten Lernenden zum Unboxing-Event ein. Gemeinsam wurde der Flugzeugbausatz ausgepackt und die einzelnen Komponenten wurden vorgestellt. Eine Projektpräsentation bot Einblicke in die Planung und das Ziel, durch dezentrale Arbeitspakete die interdisziplinäre Zusammenarbeit sowie die praxisorientierte Anwendung des Gelernten zu fördern. Im Zentrum des Anlasses standen die Lernenden, die das Projekt mitgestalten und umsetzen. Ergänzt wurde der Anlass durch Gäste aus dem Unternehmen und von externen Partnern. Markus Nievergelt, Senior Vice President Business Area Air, und Helene Müller Reber, CHRO RUAG MRO Holding AG, nutzten die Gelegenheit, um den Lernenden mit motivierenden Worten Rückenwind zum Projektstart zu geben.
Nach der Vorstellung der Fluggruppe RUAG, die künftige Betreiberin des Flugzeugs, berichteten die beiden Piloten Daniel Sulzer und Dominik Stadler von ihrer langjährigen Flug- und Bauerfahrung – mit all ihren Höhen und Tiefen. Für den Event flogen sie mit ihren selbst gebauten Flugzeugen nach Emmen. Im Anschluss hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, die beiden Maschinen näher zu betrachten. Die Piloten gaben den Lernenden wertvolle Einblicke und inspirierten sie nicht nur für den Flugzeugbau, sondern auch dazu, selbst den Schritt Richtung Pilotenschein zu wagen.
Daniel Sulzer, der als Bauberater im Auftrag des EAS (Experimental Aviation of Switzeland) tätig ist, begleitet das Projekt aus regulatorischer Sicht. Dieser Verein fördert und unterstützt den Eigenbau von Flugzeugen in der Schweiz. Er ist verantwortlich für die Qualitätssicherung und Abnahme der wichtigsten Bauetappen – eine zentrale Voraussetzung dafür, dass das fertige Flugzeug später abheben darf.
Als nächstes wurden die einzelnen Arbeitspakete den Lernenden übergeben. Mit viel Engagement treibt der lernende Kaufmann Lino Schneider gemeinsam mit seinem Team das Projekt voran – unterstützt von den Berufsbildenden und Mentoren. Teil des Teams ist ebenfalls Harald Riner, der als Leiter des Organisationskomitees im Hintergrund die Fäden zieht und seine Leidenschaft für die Fliegerei mit viel Herzblut ins Projekt einbringt.
Lernende übernehmen Verantwortung
Während der rund eineinhalbjährigen Projektlaufzeit übernehmen die Lernenden Verantwortung für einzelne Komponenten wie Flügel, Rumpf oder Fahrwerk. Diese werden an verschiedenen RUAG Standorten in der Schweiz gefertigt und anschliessend zentral in Emmen zu einem vollständigen Flugzeug zusammengebaut. Die einzelnen Arbeitspakete werden in enger Zusammenarbeit mit den Berufsbildungsverantwortlichen dezentral vergeben. Dabei stehen nicht nur technische Kompetenzen im Fokus: Auch Fähigkeiten wie Projektmanagement, Kommunikation, Problemlösung und Teamführung werden im Rahmen des Projekts gezielt entwickelt.
Beginn der ersten Arbeiten
Ein erfahrenes Mentorenteam, unterstützt von Aviatik-Spezialisten, begleitet die Lehrlinge fachlich und methodisch. Nach den Wareneingängen im Mai und im November 2025 erfolgte der Antrittsbesuch der EAS im Januar 2026. Nach der Vorstellung des Projektablaufes und den ersten Planungen wurde der Baustart «GO» von der EADAS erteilt. Jetzt sind folgende Arbeiten angelaufen:
- Studium und einlesen der Unterlagen und Zeichnung des Herstellers (VAN’S)
- Materialkontrolle auf Qualität und Vollständigkeit
- Vorbereitungsarbeiten Arbeitsplatz und Werkzeuge
- Erstellen der Arbeitsberichte
Der weitere Bauplan
Es ist nun vorgesehen, dass am Standort Alpnach der RUAG (Helikopter-Materialkompetenz-Center) der «Vertical Stabilizer» (Seitenflosse) als Pilotprojekt zusammengebaut wird. Diese Arbeiten werden durch die dort Lernenden Anlage- und Apparatebauer und Polymechaniker ausgeführt. Nach der abschliessenden Abnahme dieses Bauteils ist geplant, die «Horizonal Stabilizer» (Höhenruder) ebenfalls in Alpnach zu fertigen. Der Rumpf, die Flügel, Ruder und weitere Baugruppen sollen dann an weiteren Standorten (Emmen, Lodrino etc.) aus dem Bausatz heraus zusammengebaut werden. Die Endmontage des Flugzeuges ist am Standort Emmen geplant. Ende 2027 sollte die AV-7A Zusammengebaut und Flugbereit sein. Das Flugzeug wird dann durch die Sportfluggruppe der RUAG betrieben werden.
Grosse Herausforderung für die Lernenden
Für unsere Lernenden bedeutet der Bau dieses Kleinflugzeugs von der Planung bis hin zur Fertigstellung eine grosse Herausforderung. Sie werden durch die Mentoren und Fachspezialisten, die sie begleiten, vollumfänglich Unterstützt. «Young Spirit» steht für technische Neugier, gelebte Teamarbeit über Berufsgrenzen hinweg und für den Mut, abzuheben.
Ein schöner Moment auch für mich, der dieses Projekt aus Sicht der Arbeitnehmenden-Vertretung weiterverfolgt, um zu einem späteren Zeitpunkt über den Fortschritt des Projektes in dieser Zeitung zu berichten. (Quelle: TEAMnet RUAG) ■ (Bild: Startschuss für das Ausbildungsprojekt «Young Spirit».) (Bild: RUAG)
